PURGATORY – Pure Death Fuckin‘ Metal


Den meisten werden Purgatory wohl schon mal über den Weg gelaufen sein, gibt es die Death Metaller doch nun schon seit rund 11 Jahren. Mit „Luciferianism“, ihrem vierten Studioalbum, haben die Nossener ein heißes Langeisen im Feuer, dass auch international keine Vergleiche zu scheuen braucht. Grund genug also um mal ein bisschen mit Riffmeister René zu quatschen.


Hi René! Wie schaut’s?

Hallo Martin, danke erst mal für Dein Interesse an PURGATORY. Tja, was soll ich sagen, hier schaut’s eigentlich ganz gut. Wir stecken zur Zeit noch sehr tief in den Promotionarbeiten für „Luciferianism“ und tun ansonsten das gleiche wie immer…

Euer neustes Werk „Luciferianism“ ist, glaube ich, seit Oktober zu haben. Wie bist du mit der bisherigen Resonanz zufrieden? Ich habe jedenfalls viele gute Kritiken gelesen und in der Reviewzusammenstellung auf eurer Website kassiert ihr hohe Noten.

Genau gesagt, ist die CD am 12.August 2004 offiziell erschienen und wir hatten die Möglichkeit das Teil auf dem Party-San Open Air zu releasen. Mit einigem Abstand betrachtet, können wir mit der Resonanz einfach nur zufrieden sein. „Luciferianism“ bekommt fast durchweg positive Kritiken und dies erfreut uns natürlich.

Wieso habt ihr eigentlich mit „Luciferianism“ ein recht schwieriges Wort als Titel gewählt? Also bei mir hat es relativ lange mit dem Einprägen gedauert.

Wir haben auch echt sehr lange darüber nachgedacht, ein recht schwieriges Wort zu finden…he,he,he. Nein im Ernst, dies war nicht beabsichtigt und so schwer ist der Begriff ja nun auch nicht wirklich… Im Endeffekt war der Titel einfach 100%ig passend zum Textkonzept von Sick, da er absolut mit den Lyrics in Verbindung steht und einen idealen Überbegriff darstellt.

Zu „Luciferianism“ sagen einige, dass die erste Hälfte besser sei, andere die zweite? Was meinst du dazu?

Dies ist nun einmal immer so eine Sache…für mich persönlich z.B. ist „Luciferic“ mein Fave auf der Scheibe und dies ist der letzte Song auf der CD. Es wäre ja aber auch schlimm, wenn jeder denselben musikalischen Geschmack hätte. Die Meinungen gehen nun einmal auseinander und das ist nun mal gut für die ganze Szene. Für uns ist es zurzeit recht interessant, zu verfolgen wie „Luciferianism“ auch sehr unterschiedlich betrachtet bzw. rezensiert wird.

Auf der neuen Platte befindet sich mit „Judaböcke/Judas Billygoat“ eine Coverversion. Wie ist es dazu gekommen? Ich kenn das Original zwar nicht, finde das Stück aber ziemlich gut.

Ja, mit diesem Titel haben wir einen Song vom 92er LEMMING PROJECT Album „Hate And Despise“ gecovert. Diese Band hat uns in unseren Anfangstagen sehr inspiriert und über die Zeit, hat sich eine Freundschaft entwickelt, die mit einigen Mitgliedern bis heute anhält. Der Song bekam in Zusammenarbeit mit Björn/ VIU DRAKH auch mehr oder weniger erst im Studio seinen letzten Schliff und die Vocals von Hazy (LEMMING PROJECT) machen ihn für uns zu etwas besonderem. Natürlich war uns auch bewusst, daß dieser Song sehr aus dem Rahmen fallen würde, aber er war es uns einfach wert…

„In Fervent Eyes“ gliedert sich toll ins Gesamtwerk ein, ist aber von Machart und Tempo her anders als das restliche Material. Besonders die Gitarren erinnern an Amon Amarth. Wie stark verarbeitet ihr neuere Einflüsse, wie etwa von genannter Band?

Natürlich wirken -wie Du so schön sagst- neuere Einflüsse auf uns ein, aber dies ist ein völlig normaler Prozess. Ich denke alles was man z.B. bevorzugt hört, beeinflusst einen mehr oder weniger. Jedoch war es bei „Fervent Eyes“ etwas anders, da dieser Song in seinen Grundstrukturen schon ziemlich alt ist. Sick hatte im Entstehungsprozess des neuen Materials eine direkte Songvorstellung und diese konnten mit dem älteren Material hervorragend umgesetzt werden. Das der Song etwas langsamer ausgefallen ist, war dann im Endeffekt eine zufällige Geschichte. Definitiv haben aber AMON AMARTH keine direkten Einflüsse auf dieses Stück gehabt.

Könntet ihr euch vorstellen mehr Midtempostücke zu schreiben oder bleibt der Song eher die Ausnahme?

Warum sollten wir nicht ab und an solche Midtempostücke schreiben? Ich meine wir planen im Vorfeld unsere Songs nicht 100%ig durch. Das Endergebnis entsteht in kompletter Zusammenarbeit im Proberaum. Wir versuchen einfach alle Ideen bzw. Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen und dies weicht oft auch von einer bestehenden Grundstruktur ab. Wir machen unsere Musik ja auch in erster Linie für uns und somit müssen wir uns alle damit identifizieren können. Jedoch werden auch in Zukunft PURGATORY für pure Death fuckin´ Metal stehen.

Um „Luciferianism“ richtig gut zu finden habe ich mehrere Hördurchläufe gebraucht. Dafür bleiben die Songs aber auch lange spannend und nutzen sich nicht schon nach wenigen Malen ab. Wie lange braucht ihr um einen guten Song mit Langzeiteffekt zu schreiben?

Auch hier gibt es eigentlich keine genauen Angaben. Die Songs auf „Luciferianism“ schwanken in Ihrer Entstehungszeit zwischen 2 Tagen und einem Jahr… Wenn man die zündende Idee hat, kann auch ein Song mit „Langzeiteffekt“ in kürzestem Zeitraum entstehen. Wie aber auch schon angedeutet, kann es bis zu dem Zeitpunkt, an dem alle in der Band zufrieden sind, auch schon mal etwas länger dauern. Aber genauso wird es den meisten Bands gehen.

Wie würdest du die Scheibe im Vergleich mit euern älteren Veröffentlichungen bewerten?

Ich denke schon, dass wir hier unser stärkstes Material abgeliefert haben, wobei der größte Schritt in der Soundfrage getan wurde. Es gab auch ein paar entscheidende Veränderungen, die sich im Rückblick als sehr positiv herausstellten. So haben wir das erste Mal mit einem Produzenten gearbeitet und die Studioarbeit noch viel professioneller vorbereitet als in der Vergangenheit. Besonders Björn und Alex haben uns da extrem unterstützt und unsere Vorstellungen sehr gut umgesetzt. Rein musikalisch gesehen, würde ich „Luciferianism“ als konsequente Weiterentwicklung sehen.

Euren Sound kann man sehr gut mit Vader vergleichen. Besonders die Produktion vom neuen Album lässt mich immer wieder an die Polen denken.

Diesen Vergleich bekommen wir ab und an mal zu hören…ha,ha. Aber es ist ja auch in der Tat so, dass besonders der Drumsound oft mit der „Litany“ verglichen wird. Und diverse Parallelen sind ja auch nicht zu leugnen…zumal die Jungs in unserer Entwicklung auch einen gewissen Einfluss darstellten. Jedoch haben wir immer versucht, unsere Vorstellung von Death Metal umzusetzen…

Apropos Vader, mit denen seid ihr ja auch schon mal unterwegs gewesen. Ist etwas Tour-mässiges, vielleicht mit einer großen Band, geplant oder beschränkt ihr euch auf einzelne Gigs?

Ja, wir waren schon mehrfach mit VADER unterwegs und auch für die neue Scheibe sind natürlich diverse Gigs in Planung bzw. schon gebucht. So werden wir z.B. auf dem diesjährigen FTC, den Walpurgis Metal Days, dem Chronical Moshers und einigen anderen Festivals mit dabei sein. Für eine spezielle Tour, haben wir jetzt noch nichts Konkretes fest, aber wir arbeiten daran.

Eurer aktuelles Line-up umfasst im Moment vier Leute, Sick (vocals), René (guitar), Lutz (drums), Andy (bass), live habe ich euch aber mit zwei Gitarren in Erinnerung. Sucht ihr noch einen festen zweiten Gitarristen oder arbeitet ihr lieber mit Aushilfen?

Eigentlich bestand das Line-Up immer nur aus drei, bzw. ab 1994 aus vier Leuten. Und bis auf ein paar wenige sessionartige Einlagen mit befreundeten Bands, haben wir auch nie mit zwei Gitarren live gespielt. Wir haben eigentlich auch nicht vor dies zu ändern, da wir so sehr gut harmonieren und zurecht kommen.

Mittlerweile kann man euch getrost zu Deutschlands ältesten Death Metal Recken zählen. Wie fühlt man sich da?

Alt…ha,ha. Wie soll man sich denn da fühlen? Wir spielen die Musik die wir mögen, können hier und da auftreten…was wollen wir mehr? Für uns ist Death Metal und die Band PURGATORY einfach eine Einstellungs- und keine Altersfrage…
Es hat sich ja auch sehr viel verändert in der Szene und wir sind immer unseren Weg gegangen. Aber man sollte immer nur nach vorn schauen…

Nach 11 Jahren Bandgeschichte seid ihr trotzdem noch dem Untergrund zuzuordnen. Was meinst du warum euch der „große Durchbruch“ bislang nicht gelungen ist? Fehlt euch vielleicht einfach ein finanzstarkes Label?

Ich kann Dir diese Frage einfach nicht richtig beantworten, da ich keine Ahnung habe. Vielleicht wollten wir den sogenannten „großen Durchbruch“ nie wirklich, vielleicht haben wir uns darüber zu wenig Gedanken gemacht, vielleicht hast Du Recht und es fehlte an finanzieller Unterstützung? Ich denke wir sind mit der Situation in der wir uns befinden recht zufrieden und wir lassen eigentlich immer alles auf uns zukommen… Wir werden sehen was kommt.

Jetzt, kurz nach dem Jahreswechsel, bietet sich natürlich die Frage nach deinen persönlichen favorisierten Alben des vergangenen Jahres an.

Oh, dass ist gar nicht so einfach…waren doch eigentlich ziemlich viele gute Veröffentlichungen 2004 am Start…! Ich würde mich auf folgende fünf Scheiben festlegen, die mich echt beeindruckt haben.

SOTAJUMALA – Death Metal Finland
BEHEMOTH – Demigod
IMPIETY – Paramount Evil
INCANTATION – Decimate Christendom
UNHOLY GHOST – Torrential Reign

So, zum Abschluss schmeiße ich dir noch drei Begriffe an den Kopf und du sagst was dir dazu einfällt.

Obituary Reunion: Hab sie nur auf dem FTC letztes Jahr gesehen und es war einfach enttäuschend…

Metalszene 2004: Wie schon erwähnt, viele gute Scheiben und Gigs/Festivals…

Flutkatastrophe in Asien: Viel Wasser…

Liegt dir noch etwas auf dem Herzen was du loswerden willst?

Erstmal vielen Dank für das Interview , sowie Deinen Support! Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Testet einfach mal „Luciferianism“ an und schaut auf www.purgatory666.de vorbei. Vielleicht sehen wir uns auf dem einen oder anderen Gig!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für die Fragen genommen hast. Viel Glück fürs neue Jahr und vielleicht klappt es ja noch mit nem Deal bei Metal Blade! ;-)

Alles klar…, aber warum gerade Metal Blade? (weil mir gerade nichts Blöderes eingefallen ist -Anm. d. Verf.) Viel Glück auch Dir und dem Necroslaughter Mag, mach weiter so…Horns Up



Interview: Martin (Necroslaughter) / Rene (Gitarre @ Purgatory) · 03.02.2005