Hexenhammer – „…Leider denken die meisten gleich an Panda Bären…“

Leider war mir die Band HEXENHAMMER bis vor kurzem beinahe gänzlich unbekannt. Schande eigentlich, legen die Paderborner mit ihrem Labeldebüt doch ein richtig fettes Stück Death Metal vor, was ausnahmsweise mal den Labelbehauptungen gerecht wird und wirklich eine saugeile Mischung zwischen Groove und Technik ist.
So kamen Gitarrist Maik und ich in eMail-Kontakt um dieses Interview zu erstellen. Enjoy!


Hi Maik! Wie fühlt man sich seine erste CD über ein Label rausgebracht zu haben?

Wir fühlen uns gut mit der Tatsache endlich einen professionellen Partner an unserer Seite zu haben. Wir haben auf jeden Fall mehr Möglichkeiten als früher als „reine Underground“ Band. Wir sind zwar immer noch Underground gewissermaßen aber mit einer neuen Basis.

Wie läuft es mit dem Twilight-Vertrieb? Sicherlich habt ihr euch sehr gefreut, als sie eure CD als „eines der besten deutschen Death Metal Debüts überhaupt“ bezeichneten…

Es läuft gut mit den Jungs von Twilight, sie arbeiten professionell und arbeiten eng mit uns zusammen, wir haben ein gutes Gefühl. Der Spruch hat uns auf jeden Fall auch gefallen, das is ne klare Ansage.

Würdest du dieser Aussage zustimmen? Wie weit seit ihr mit dem Album zufrieden?

Ob die Aussage stimmt oder nicht überlasse ich eher den Fans und denjenigen die sich mit der Szene auskennen, hiermit meine ich nicht die Redakteure welche sich an einem Bandnamen aufgeilen und sich 5 Sekunden für die CD Zeit nehmen.
Wir sind mit dem Album zufrieden wenn man bedenkt wie groß unser Budget war und das es unser erstes Album ist. Wir haben dabei viel gelernt und hoffen die Erfahrung beim nächsten Album nutzen zu können.

Bisher seit ihr irgendwie gänzlich an mir vorbeigegangen, okay, den Namen habe ich schon mal gehört und auch vernommen, dass ihr Death Metal spielt, aber ist HEXENHAMMER nicht ein atypischer Name für eine Death Metal Band? Irgendwie muss ich auf Grund der historischen Bedeutung irgendwie an eine Black Metal Band denken….

Ja, leider denken die meisten gleich an Panda Bären bzw. an eine Black Metal Band, darum ist es auch immer witzig zu hören wie die Leute dann förmlich wie erstarrt sind wenn sie unsere Musik das erste Mal hören. HEXENHAMMER ist auf jeden Fall ein eigenwilliger Name da geb ich dir Recht. Aber grade das ist es was den Namen auch so interessant macht, grade weil der Name so atypisch ist wollen die meisten erst mal gucken was hinter dem Namen steckt.
Heutzutage ist das wichtig, denn diese ganzen englischen Namen sind doch zu 99,9 % alle vergeben und hören sich alle gleich an. Es gibt mehrere Bands die HEXENHAMMER heißen, in Russland, in Frankreich und in Österreich gab es tatsächlich eine BM Band die auch so hießen, die uns aber höflich gefragt ob sie sich umbenennen sollen, was ich natürlich nicht ausschlagen konnte, hehe.

Sicherlich werdet ihr häufiger nach euerem Namen gefragt, nervt das auf Dauer nicht etwas?

Ähm doch. Es ist immer die gleiche Leier. Können die sich nicht einfach die Musik anhören und wie gesagt, sich nicht an ein paar Buchstaben festhalten. Aber wie man sieht erregt der Name ja auch aufsehen, und das ist ja schließlich auch ne Form von Promo gell?!

Ihr habt im Vorfeld schon ein Demo und eine MCD in Eigenregie rausgebracht. Erzähl mal etwas über diese Releases!

Das erste Demo „Death Fuck Autopsy“ sollte eigentlich nur ne Aufnahme für Chris der damals in die Band kam und die Songs noch nicht kannte. Daraus entstand dann die Idee das Ganze dann doch zu veröffentlichen. Die Mini Cd haben wir im November 2002 bei Carsten Schmerer (Drummer von Burden of Grief) im Ofen Studio eingespielt. Die Reaktionen darauf waren sehr gut, es bekam durchweg nur positive Resonanzen, aber wir haben es damals noch nicht bei den Labels versucht da wir vermuteten das man nur mit ner kompletten Cd für die Labels interessant sein kann, was ja im Prinzip auch so ist.

Vom 2003er Demo kann man sich auf euerer Homepage www.hexen-hammer.de einige Samples anhören; bekommt der geneigte Hörer auch mal die Möglichkeit die Songs vom ersten Demo zu hören?

Nein, ich denke nicht das wir die auf die Page stellen. Das Teil ist Geschichte, außerdem ist die Aufnahmequalität nicht grad die beste, so das die Leute die sich das von der Page downloaden würden einen falschen Eindruck von unserem Sound bekommen würden.

Wie siehst du heute, mit ein wenig Distanz das alte Liedmaterial? „Exhumed & Consumed“ hat es ja auch auf die neue CD geschafft…. Hätten die anderen Lieder (auch vom ersten Demo) auch diese Chance gehabt?

Um ehrlich zu sein ist „Enter my Tomb“ ein Song vom ersten Demo, das hört man auch raus wenn man ein Ohr riskiert.
„Exhumed“ hat es deshalb geschafft weil er immer noch einer unserer stärksten Songs ist und wir diesen mit nem fetten Sound versehen wollten, und so landete er auch auf dem Album. Mehr alte Songs wird es vielleicht noch mal auf einer Split Single oder so was geben.

Wie man an Songtiteln wie „Raped with a chainsaw“ oder „Exhumed & Consumed“ schon auf den ersten Blick sehen kann, ohne vorher die Texte zu studieren, habt ihr ja gewisse Tendenzen zur Guts’n’Gore-Thematik. Ich weiß, diese Frage ist schon beinahe so standardisiert , wie die Thematik an sich, aber wie seht ihr dieses Gewalt und Blut-Ding? Gehört das einfach zum Metal dazu? Mögt ihr selber Horror/Splatter/Gore Filme?

Das gehört auf jeden Fall zum Death Metal, allerdings beschäftigt sich Frank, unser Sänger und Texter, nicht nur ausschließlich mit dem Thema Guts ´n Gore.
Splatter und Horror Filme sind in der Band auf jeden Fall immer mal wieder ein Gesprächsthema aber es ist kein Hobby oder so von uns. Generell sind Filme und Bücher sowie eigene Lebenserfahrung wohl Franks Grundlage Texte zu schreiben.

Woher bezieht ihr eure Inspirationen? Genannte Quellen wären ja schon mal die Horror-Filme. Aber es gibt ja ebenso gute Bücher, andere, nicht-metallische Musik, oder andere Dinge, die einem als Muse dienen können….

Ich denke einen Blick in die Welt reicht als Inspirationsquelle.

Auf „Divine New Horrors“ verwendet ihr auch einige Death Metal atypischere Elemente, besonders in „Hell Force One“ zu vernehmen: Den Flanger als Gitarren-Effekt und relativ funky Beats an der Batterie. Wie kamen diese Merkmale in eure Musik? Sollte dies eine bewusste Erweiterung des an sich relativ (!!) engstirnigen Metal-Materials sein, oder kam das alles eher impulsiv?

Den Flanger Effekt hatte ich im Studio vorgeschlagen, wir haben es dann ausprobiert und alle waren begeistert, so nahmen wir es. Der Effekt ist für das Riff wie geschaffen find ich. Das mit Beat kam einfach so aus Daniel heraus. Wir hatten für das Riff welches du meinst mehrere Beats ausprobiert, aber so wie es ist gefiel uns am besten. Ansonsten ist der Song eigentlich sehr gradlinig und fließend aber dennoch abwechslungsreich, das ist uns immer wichtig. Wir versuchen uns generell nicht krampfhaft an irgendwelche Metal Klischees zu halten, der Zug ist schon lange abgefahren.

„Enter My Tomb“ kommt auch irgendwie fernab der gewohnten Denkstrukturen aus den Boxen und klingt extrem punkig….

Der Song fällt auf jeden Fall total aus dem Rahmen, ist auch der älteste auf der Scheibe. Der Song lockert das Ganze ein bisschen auf und ist bei unserer Fangemeinde ein Kultsong, so das wir darauf nicht verzichten wollten (konnten) den Song mit auf die Scheibe zu packen, zumal er dann optimal in den Song „Self“ übergeht wie auf der Scheibe zu hören ist und auch Live in der Kombination immer für Entzücken sorgt, denn „Self“ ist das TOTALE Gegenstück zu „Enter my Tomb“.

Ebenso abgedreht wie die genannten Elemente und einige eurer Fills sind die Vocals von eurem Sänger F. Hürland. Mir kamen spontan Assoziationen zu den Bonner Ekelhasen Jack Slater. Wie seht ihr euren Gesang in vergleich zu den sonst Handelsüblichen Growl oder dem Frognoise?

Franks Gesang ist auf jeden Fall einzigartig! In fast jedem Review wird er gelobt für seine Gesangsleistungen, denn er grunzt nicht nur wie die meisten, sondern hat fast seinen eigenen Style gefunden wo man auch die meisten seiner Texte verstehen und nachvollziehen kann.

Das berühmte Frage und Antwort-Spiel: Ich gebe dir ein paar Begriffe und du kommentierst sie, okay?

Perfekte Spielzeit für ein Death Metal Album?
35-40 min.

Instrumentals
Gibt’s im Death Metal leider viel zu wenig von. Fällt mir grad ein gutes von HEXENHAMMER ein: „Devils Breath“ hehehe.

Vocal-Effekte
Brauchen wir nicht. Find ich arm wenn Leute so was benutzen, ich meine Hall und Delay ist ok aber ansonsten…SHIT!

Engl-Topteile
Der Powerball ist auf meinem Einkaufszettel ganz oben, ich schwanke aber noch zwischen anderen Tops.

Inquisition
Im Namen Gottes! Können die Christen ganz stolz drauf sein.

Werkzeuge
Braucht man ab und zu mal gell. (hehehe)

Besetzungskarussell
Das dreht sich hoffentlich bei uns noch lange nicht.

Lieblings-Gitarrist
Steve Vai, John Petrucci und 100 andere.

Ihr habt ja schon mit namhaften Bands die Bühne geteilt, mitunter auch dem polnischen Panzerfahrern von Vader. Gibt es noch andere Bands, mit denen du gerne mal die Bretter teilen würdest? Hättet ihr Favoriten, mit denen Ihr Touren würdet?

Ja der Gig mit Vader hat echt voll Spaß gemacht, das war einer unserer besten. Die Jungs sind auch nicht hochnäsig oder so. Im September kommen sie wieder nach Paderborn und wir werden sie wieder supporten, da freuen wir uns jetzt schon drauf. Andere Bands mit denen wir gerne Touren würden, da fallen mir 1000 ein. Das Problem ist das kann man sich nicht aussuchen, die großen Bands lassen sich nämlich den Support sehr teuer bezahlen von den kleinen Bands. Ich würd mich freuen wenn wir mal mit Morbid Angel oder Cryptospy auf der Bühne stehen könnten.

Langsam nähern wir uns dem Ende des Interviews und nun kommen natürlich die allseits beliebten abschließenden Fragen: Wie sieht eure Zukunftsplanung aus?

Viele Gigs, ne Tour ist geplant und in einem Jahr sind wir hoffentlich wieder im Studio um unsere neue Scheibe aufzunehmen, für die wir aber erst mal Songs schreiben müssen. Ansonsten planen wir neues Merchandise.

Dann ist hier noch etwas Platz für deine letzen Worte!

Bedanke mich bei dir für deine Fragen und deine Zeit. Hat Spaß gemacht. Den Death Metal Freaks da draußen möchte unser Album ans Herz legen, riskiert mal ein Ohr und schaut mal auf unsere Homepage: www.hexen-hammer.de und kommt zu unseren Gigs wenn wir mal bei Euch in der Nähe sind! THANX!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und Mühe gemacht hast unser Interview zu beantworten!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Maik (Gitarre @ Hexenhammer) · 10.02.2005 / 28.02.05
www.hexen-hammer.de