2015-03-29 – CHILDREN OF GOD, ANCST und CREVASSE im „Privat“


2015-03-29 - Children Of God - Ancst - CrevasseIm Ernst: Auf eine Sonntagsshow hat ja eigentlich niemand Bock. Man ist noch im Sack vom Samstag und mitten im Pre-Montags-Blues. Am nächsten Tag droht der Wecker mit verfrühtem Klingeln, also kann man nicht mal richtig die Sau rauslassen. Und zu allem Überfluss war das Wetter auch nicht sonderlich einladend: Regen und Orkanböhen verlocken doch nun wahrlich mehr zum rumgammeln vor dem heimischen Computer, wo die neusten Katzenbilder gesichtet werden wollen. Doch wenn jeder so bequem und faul ist, und die Konzerte somit schlecht bis gar nicht besucht werden, dann gibt es bald auch keine kleinen Untergrund-Veranstaltungen mehr. Deswegen: Aufgerappelt und ab nach Köln!

Antigone Shows haben auch brav an uns gedacht. Es sollte eine Martinee werden. Beginnt früh, endet früh und rechtzeitig zum Tatort ist man auch wieder daheim vor der flimmernden Glotze. Und der Wecker ist am nächsten Morgen auch nicht bedrohlicher, als er es ohnehin an einem Montag morgen ist. Nach einer Stärkung mit einem Kollegen der schreibenden Zunft, schlug ich somit auch pünktlich um 17 Uhr im „Privat“ auf. Einlass war offiziell noch nicht. Aber man wollte uns auch nicht im Regen vor dem Schuppen stehen lassen und gewährte uns freundlicherweise direkt einlass. Getränke gab es aber noch nicht, denn die Vorbereitungen für Cocktails und vegane Mettbrötchen banden alle Kapazitäten hinter der Theke; Böse Musik wie Black Metal und Crust forderten doch förmlich den Themenabend: Hawaii! (leider wurde die entsprechende Facebook-Veranstaltung mit dem Thema bereits gelöscht…)

Um 18 Uhr ging es dann zeitig los. CREVASSE, eine kölsch/niederländische Kooperation bat zum Tanze. Frühneunziger Hardcore, Crust und etwas aus Powerviolence/Grindcore war aber eine derbe Mischung für das Publikum. Resonanz gab es zwar im rhythmischen Wippen, doch weitestgehend blieb das Publikum verhalten. Dafür bewegte sich die Band etwas mehr. Angefangen im Bassisten, der gut mitging, hin zum Schlagzeuger, der alles andere als energiesparend spielte. Die Dame am Mikro zeugte aber am meisten von ungebändigter Energie, lief vor der Bühne hin und her und präsentierte eine breite Palette von geflüsterten Rezitativen zu wütenden Schreien. Nicht ganz meine Baustelle und im Kontext zum restlichen Abend ein deutlich anderer Farbklecks in der dargebotenen musikalischen Breite.

Nach 25 Minuten waren CRAVESSE vorbei und es folgte der Grund, warum ich überhaupt meine beheizte und windverschohnte Bleibe verließ: ANCST aus Berlin! Die Umbaupause ging schnell vorbei. Denn die Crust/Hardcore/Black Metal Combo verzichtet auf einen richtigen Schlagzeuger. Das muss auf der Tour wohl für einige Verwunderung gesorgt haben, dass ein Drumcomputer für die dicken Blastbeats verantwortlich war. Für den DIY-Underground sicherlich ein ungewöhnliches Setup, aber im Black und Brutal Death Metal, ist dieses Setup nicht mal so ungewöhnlich.
Entsprechend war gerade der Schlagzeug-Sound sehr dominant, klang von den Becken zu den Toms deutlich aus den eigens mitgeschleppten Monitorboxen. Die Gitarren waren da leider etwas dünn im Hintergrund und haben einige Harmonielinien nur erahnen lassen. Dafür waren der grandiose Bass und die Vocals gut im Gesamtbild positioniert. Neben fantastischen Songs, wie meinem Liebling „Entropy“ gab es auch eine sehr ausgelassene Bühnenshow. Trotz der Gitarristen, die mit dem Rücken zum Publikum gespielt haben, ging die komplette Band mordsmäßig ab, besonders die beiden Shouter vor der Stage. Von der Attitüde mehr Hardcore denn Black Metal, war der Auftritt dennoch, oder gerade deswegen, eine mörderische Walze!

Nun sollte der Headliner CHILDREN OF GOD aus den USA das Ende der Martinee einläuten. Doch ich muss gestehen, dass ich mir diese Mischung aus Sludge, Doom und Hardcore, die aus der Distanz auch leichte Neurosis-Einflüsse hatte, lediglich aus dem Vorraum des privaten Clubs gegeben habe. Zu tief war ich mit meinen Gespräche mit ANCST beschäftigt und zu schnell haben CHILDREN OF GOD ihren Auftritt auch schon wieder beendet. Dafür war aber der Kollege Andreas vom Bloodchamber.de im Konzertsaal und hat seine Erfahrungen auch in einem schönen Konzertbericht niedergeschrieben, den ich gegen die Lücken in meiner Berichterstattung wärmstens weiterempfehlen kann!

Schlussendlich war es kurz nach acht. Genug Zeit, um nur den Anfang des Tatorts zu verpassen. Oder dem heftigen Regen zu trotzen und mit den Bands noch einige Biere in der beschaulichen Location zu trinken und ausgiebig zu quatschen. Das Trommeln der Tropfen auf dem Wellblechdach sorgte für die richtige Atmosphäre für Gespräche um Tourerfahrungen und adoptierte Ziegen. Dennoch war ich um kurz nach 11 daheim, angenehm angeheitert und mit schönen Erinnerungen an einen guten Abend. Danke dafür an alle Beteiligten, besonders die Bands, die Veranstalter Antigone Shows, dem „Privat“ sowie natürlich Andreas vom Bloodchamber und Adrian von Nekrographie. Unterstützt den Untergrund und besucht die kleinen Shows. Auch sonntags, wenn es aus Eimern regnet. Der Spaß macht jeden Tropfen wieder wett!