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Katja und Rayk waren mal wieder unterwegs. Auf dem GRIND HERE, RIGHT NOW Geburtstagsfest Reloaded. Ihren Erfahrungsbericht gibt es gleich hier. Eine Menge Fotos gibt es im Fotoalbum vom Catabolic Messenger auf Facebook. Das ein oder andere Bild habe ich mir auch von dort entliehen (z.B. das gelungene Foto vom Jan T-Beat/Captain Caveman) – einfach ein zu geiler Schnappschuss! Die anderen Bilder von den Bands stammen von den Autoren dieses intensiven Festivalberichts selber. Nun aber genug der Vorworte!


R: Was macht man im November in Trier? Richtig, man geht aufs Grind Here, Right Now. Also rin in die Kiste, und los ging’s.
K: Wir reisten schon um die Mittagszeit an, so dass genügend Zeit war, in unser Zimmer einzuchecken, am Moselufer frische Luft zu schnappen und uns beim Italiener eine Grundlage für das anstehende Saufgelage anzufuttern. Das Konzert sollte dann auch schon recht früh um 15 Uhr beginnen. Also stapften wir kurz nach 14 Uhr Richtung Exhaus los, um mal die Lage zu checken. Vor Ort war zu dieser Uhrzeit noch recht wenig los, die letzten Vorbereitungen fürs Festival waren im Gange und im Hof versammelten sich die ersten Festivalbesucher.

04 Dirty East GodverdommeR: Dort trafen wir auch bald die ersten Bekannten und wurden von Miri und Claudia spontan zum Vögeln eingeladen. (Gemeint ist das Getränk, was habt ihr denn gedacht…) Und da konnten wir natürlich NICHT nein sagen. (Gruß nach Kaiserslautern und danke fürs süffige Stelldichein!) Der ein oder andere Klopfer musste ebenfalls herhalten, und während wir so vor uns hin laberten, drangen dann die ersten Geräusche aus den Katakomben nach oben, so dass wir den zwei Damen “Tschüssikowski” sagen mussten, um der ersten Band aus Holland DIRTY EAST GODVERDOMME beizuwohnen. Diese gutgelaunten, nach Gras riechenden Typen haben wir dieses Jahr auf dem Grind The Nazi Scum zum ersten Mal live in Aktion gesehen. Darum wussten wir, dass diese Holländer bestens platziert waren, um sich auf das Festival der harten und schnellen Klänge einzustellen. Also Adidas-Trainingshosen ausgepackt und los ging’s.
K: Das Trio lieferte mit seinem simplen, dreckigen Sound einen sehr lässigen Einstieg ins Festival. Der Mix aus Death Metal und Hardcore ist sicher nix Weltbewegendes, macht aber gerade live irgendwie Laune. Die drei Typen, die übrigens alle mal abwechselnd ins Mikro brüllen, kommen sehr locker rüber, und die sportlichen Dehn- und Poserübungen von Adidas-Hosen-Fetischist und Bassist Jos bringen einen immer wieder zum Grinsen. Es hatten sich auch schon einige Leute eingefunden, aber zu dem Zeitpunkt stand man im großen Exil noch alles andere als gedrängt. Die meisten hielten zu Beginn noch ein bisschen Abstand zur Bühne, nur der MASSIVE ASSAULT Sänger stand von Anfang an ganz vorne, um seine Landsleute gebührend zu unterstützen. Am Ende des Gigs wurde er auch noch mit auf die Bühne geholt, so dass der letzte Song in geballter Brüllkraft von gleich vier Mann vorgetragen wurde. Coole Sache.

R: Nachdem die Gelenke dank der holländischen Gymnastiklehrer gut aufgewärmt waren, ging es dann nach einer kurzen Pause pünktlich um 16 Uhr rüber ins kleine Exil, was im Laufe des Abends beinahe aus allen Nähten platzte. Denn dort warteten drei Höhlenmenschen ungeduldig darauf loszulegen. CAPTAIN CAVEMAN waren die erste Band in der kleinen Höhle, und die sagten mir nur vom Namen her etwas, denn ich wusste, dass hier auch die ultraschnelle Schlagzeug-Talentdrecksau Jan T-Beat von CONSTANT VULSE mit von der Partie ist. Alleine das war für mich schon Grund genug, diese Jungs mal anzuchecken. Wie man es im Exhaus gewohnt ist, sind auch die kleineren Bands immer gerne willkommen und gut besucht, so dass die Bude proppevoll war. Haha, als ich den Sänger sah, dachte ich im ersten Moment, der Sohn von Cat Stevens steht auf der Bühne und brüllt seinen Frust heraus. Alter Fritz, hier ging mal so richtig die Post ab! Der bärtige Sänger brüllte, keifte und fluchte, was nur ging, und bot eine verdammt agile, aggressive Show, angetrieben von Schlagzeuger Jan, der auch dieses Mal ein wahnsinniges Blastbeat Hochgeschwindigkeitsbrett lieferte. Cooler Scheiß. Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas Einhörzeit brauchte, um mich auf diese aggressive, ja fast hyperaktive Art einzustellen, aber spätestens nach dem vierten Song (also nach geschätzten drei Minuten) fand ich an diesem wilden, ruppigen Reigen an wilder Grindcore-Kost durchaus Gefallen. Von der Mucke her erinnerte es mich stellenweise an die wilden und verdammt coolen Kolumbianer Chulo, gerade was den aggressiven Brüllgesang angeht. Die Jungs sollte man definitiv im Auge und vor allem im Ohr behalten, zumal sie jetzt vor kurzem eine Split mit Eastwood herausgebracht haben. Übrigens, das Review zur besagten Split-Kassette könnt ihr in den nächsten Tagen ebenfalls hier lesen.

T-Beat
K: Mir war der Sound dieser wildgewordenen Höhlenmenschen doch ein ganzes Stück zu hektisch und zu hyperaktiv, aber trotzdem machte es Spaß, dem Treiben auf der kleinen Bühne zuzuschauen. Gerade der Sänger sprang neben seinem hysterischen Gebrüll wirklich wie ein tollwütiger Affe (dabei mag ich doch Affen! – Anm. Rayk) durch die Gegend und schnitt Grimassen wie ein Psychopath. Das war voller Einsatz! Theoretisch hätten CAPTAIN CAVEMAN eine halbe Stunde Spielzeit gehabt, hatten aber gar nicht genug Material, um die Zeit zu füllen. Das kommt davon, wenn man so schnell spielt, haha. So ging der Auftritt schon etwas verfrüht zu Ende – eine kurze, aber dafür sehr heftige Angelegenheit.
R: Nachdem die Jungs von CAPTAIN CAVEMAN ihre Sachen packten, laberte ich noch kurz mit Cat Stevens Junior und legte mir dann ihre Split-EP mit Burt zu. Sehr angenehmer Zeitgenosse! Nachdem ich den Jungs noch ein Gartenhäusle an den Kopf gelabert hatte, wurde es höchste Zeit, mal wieder etwas zu beißen. Anstatt dem Asiastand vom Vorjahr gab es dieses Jahr Döner von den Veranstaltern. Aber das war nicht nur irgendein Döner, sondern eine neue Art, ich nenn ihn mal Grindcore-Döner mit kreativer Füllung. Auf die Frage, was die Kartoffeln im Döner zu suchen haben, sagte mir Mario, damit auch die Vegetarier was Warmes im Döner vorfinden. Fand ich eine sehr originelle Idee. Und voila – es hat sogar geschmeckt.

05 World DownfallK: Musikalisch ging es dann mit WORLD DOWNFALL auf der großen Bühne weiter. Der grindig crustige Sound der Band aus NRW sagte mir sehr zu: einfach mal wieder ein geradliniger, effektiver Arschtritt! Auch die rotzige Fuck You Attitüde, die gerade Sänger Lohm äußerst überzeugend rüberbrachte, fand ich sehr sympathisch. Der Rest der Band gab sich eher zurückhaltend und sah im Vergleich zum Rastamähnenträger am Mikrofon auch regelrecht brav und normal aus. Dafür brachte Lohm, der wie ein Irrer über die Bühne fegte, umso mehr Schwung rein. Auch im Publikum ging ganz gut was ab und es wurde ordentlich gepogt.
R: Ich schaute mir zunächst das Geschehen von etwas weiter hinten an, da mich als Fußballhasser als erstes dieser Drecks Fußball-Fanschal irritierte. Aber Rastaman Lohm war nicht nur ein agiler Frontmann, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, sondern er machte auch so einen verdammt guten Job. Auf jeden Fall eine richtig geile Liveband, die der Meute gut einheizte, und so zockte man sich verdammt wütend, aggressiv und schnell, aber stets gut aufgelegt durchs Set und hinterließ einen sehr positiven Eindruck. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Jungs endlich in die Puschen kommen und mal was Neues herausbringen. Also, hurga-hurga! Sprich: Weniger Fußball, mehr Musik. Jedenfalls war es eine gute Idee von Daniel und Mario, diese Penner einzuladen.

06 World Downfall

Um 17 Uhr war es Zeit für FAMINE, die, wenn uns nicht alles täuscht, die grässlichen Jesus Cröst aus Holland ersetzten, was mich natürlich sehr erfreute. FAMINE sind eine sehr junge Zwei-Mann-Band aus England, die vor Kurzem eine EP über das Label Woooaargh herausbrachten. Interessehalber schaute ich natürlich auch mal bei den Engländern rein. Zuerst sei gesagt, dass ich es sehr beachtlich finde, wie zwei Typen einen derartigen Krach und Chaos veranstalten können. Warum der Sänger quer zum Publikum stand, kann ich nicht so richtig nachvollziehen, ist aber auch wurschd. Mir persönlich war der Sound aus extrem schnellem Grindcore mit Hardcore-Ausbrüchen ein wenig zu anstrengend und teils auch ein wenig zu stumpf, so dass wir nach der Hälfte des Sets erst mal das Weite suchten, um uns mit Löwenbräu zu stärken.

09 InfestDenn jetzt war es an der Zeit, sich für INFEST, die erste bekannte Grindcore-Band des Tages, bereit zu machen. Ich kannte ja schon ihr extrem geiles, angriffslustiges Album “The Next Will Be Yours“. Von daher war ich umso neugieriger, wie die Jungs ihre Songs live darbieten werden.
K: Ich für meinen Teil hatte eigentlich an INFEST keine besonderen Erwartungen, da mir diese Art von Mucke auf CD einfach nichts gibt und nur an mir vorbeiläuft. Eine Band daheim auf der Anlage dudeln zu lassen und sie live zu erleben sind aber oft zwei völlig verschiedene Paar Stiefel, und genau so sollte es dann auch bei diesen Franzosen sein. Ich platzierte mich schon zu Anfang des Sets vorne am Bühnenrand, um ein paar Fotos schießen zu können, und so war ich gleich mitten im Geschehen, als das Chaos losbrach. Was hier auf und vor der Bühne abging, war wirklich der Hammer. In Überschallgeschwindigkeit grindeten sich INFEST durch ihr Set und entfachten dabei eine solche Energie, dass der Funke unmittelbar aufs Publikum übersprang. Der Sänger raste und hüpfte wie wildgeworden durch die Gegend und sprang immer wieder ins Publikum, und auch unten tobte der Bär. Es wurde gemosht, gerempelt, geschubst, gebrüllt, und alle paar Augenblicke kam der nächste Stagediver angeflogen, so dass man gut beraten war, die Augen offen zu halten.
R: In der Tat, INFEST boten einen wahrlich explosiven Auftritt, der mich doch sehr an ihre Landsmänner Blockheads erinnerte. Und wenn ich eine Band mit Blockheads vergleiche, dann ist das etwas sehr Besonderes. Brüllwürfel Bud ist ein wirkliches Energiebündel hoch zehn, aber auch der Rest der Band brachte sich verdammt gut in das agile Fronttreiben auf der Bühne mit ein. Dadurch, dass Grunzbarde Bud gut mit dem Publikum kommunizierte, war es natürlich klar, dass der Mob regelrecht durchdrehte. Ja, es herrschte wirklich ein herrliches Chaos, und bis auf diesen nervigen Barfußindianer war es dennoch ein einigermaßen kontrolliertes Hin-und-Herschubsen. Genau dieser trat natürlich mit seinen Füßen in eine Glasscherbe. Selbst schuld. INFESTs rabiater Grindcore mit gelegentlichen Hardcore-Auswüchsen sowie die dezent eingesetzten Brutal Death Metal Einlagen im Gesang ist wirklich jedem zu empfehlen, der mal wissen will, wie sich Adrenalin anfühlt. Fazit: für uns beide unser erstes Highlight! MERCI!
Nach diesem Auftritt sollte es natürlich schwer werden für die nächste Band, da mithalten zu können.

K: Und ausgerechnet jetzt standen ONANIZER auf dem Plan, die uns beide nicht wirklich reizten. Also hatten wir es nicht besonders eilig, uns rüber ins kleine Exil zu quetschen. Wir verschnauften also erst mal kurz und schauten dann zumindest der Vollständigkeit halber von weitem bei der kleinen Bühne rein. Der Mini-Konzertraum war schon wieder total vollgestopft, so dass an ein Durchkommen kaum zu denken war. Aber als wir die Schweinequieklaute aus dieser Richtung hörten, war die Motivation, uns weiter durchzukämpfen, ohnehin völlig verschwunden.
R: Von den Tschechen ONANIZER hat sicher schon der ein oder andere etwas gehört oder gelesen. Wie Katja oben schon geschrieben hat, ist auch mir außer Schweinegrunz- und Röchellauten nichts in Erinnerung geblieben. Ich denke, ONANIZER ist eine Band, die man sich auf einer EP mal reinpfeifen kann, aber mir diese Art von Schweinestallmusik eine halbe Stunde lang zu geben, musste nicht sein.

12 Massive AssaultK: Wir nutzten also die Zeit, um schnell ein paar Einkäufe in unserem Zimmer zu verstauen – eine gute Gelegenheit, auf dem Weg ein wenig frische Luft zu schnappen, denn das Exhaus war inzwischen trotz offiziellem Rauchverbot schon total zugequalmt. (Scheiß doch auf die Vorschriften!) Da ich mir MASSIVE ASSAULT, die als nächstes auf dem Speiseplan standen, unbedingt anschauen wollte, hetzte ich Rayk ganz schön durch die Gegend, um ja rechtzeitig wieder zurück zu sein. Zum Glück schafften wir es dann auch, gerade pünktlich zum ersten Song der Holländer wieder vor Ort zu sein. Sicher, der Old School Death Metal der Kollegen ist nichts sonderlich Originelles, aber irgendwie hatte ich bei all dem Grindgeschrote Bock auf eine ordentliche Portion Todeskost als Zwischenmahlzeit. Also hieß es, schnurstracks nach vorne eilen und eine Runde die Haare schütteln. Der ruppige Death Metal Sound machte einfach Laune und ging gut ins Ohr, so dass die Holländer ziemlich gut ankamen. Hier hatte dann auch Jos von DIRTY EAST GODVERDOMME seinen zweiten Einsatz am Bass, und nachdem hier zusätzlich noch der Gitarrist in lässigen Trainingshosen über die Bühne rockte, fragte ich mich schon, ob die Holländer vielleicht von Adidas gesponsert werden. Egal, viel Zeit zum Nachgrübeln blieb nicht, lieber feierte ich mit einigen anderen Death Metal Fans die Band ab. Am Schluss kam dann noch der Schlagzeug-Sangesbarde von DIRTY EAST für seinem Austausch-Gastbeitrag auf die Bühne.

R: Jetzt war es an der Tagesordnung, EASTWOOD im kleinen Exil anzuschauen. Eine Band, der wir beide entgegenfieberten. Erstens, weil EASTWOOD ein Haufen cooler, lockerer Typen sind und zweitens weil EASTWOOD den einzig wahren True Melmac Violence spielen. Wer das jetzt nicht versteht, kontaktiert einfach die Kunden mal selbst. Nachdem uns EASTWOOD schon dieses Jahr in Torgau mit ihrem Grindcore vermöbelten, waren wir beide bereit für eine weitere schnelle Grindcore-Prügelparty. EASTWOOD sind natürlich in Trier und Umgebung bekannt wie ein fünfbeiniger Hund. Und so sollten uns EASTWOOD auch dieses Mal wieder mehr als überzeugen, und ich möchte mal behaupten, dass EASTWOOD nicht nur einen besseren Sound als in Torgau hatten, sondern auch bei ihren neuen Songs einiges an Schmackes drauflegten und das Ganze etwas homogener klang. EASTWOODs extrem lässiger, wieselflinker Grindcore ist ein Beweis dafür, dass man mit relativ wenig Technik richtig kompromisslosen Grindcore fabrizieren kann und somit die Tradition dieses Genres weiterhin würdig aufrechterhält. Und hey, auch textlich können die Jungs echt was reißen. Wer EASTWOOD bisher noch nicht gesehen hat, sollte das definitiv nachholen, um diese Lücke zu schließen. Nehmt mal Kontakt zu den Jungs auf, am besten zum Sänger, der nebenher auch noch ein Distro namens Hackebeil Records hat.

Nach dem EASTWOOD-Auftritt war die Luft im kleinen Exil ziemlich aufgebraucht, und somit war es höchste Zeit, mal hoch zum Innenhof zu gehen, denn in diesem verdammt engen Mäuseloch kriegt man nach einer Weile echt nen Vogel. Für uns stand jetzt erst mal eine kleine Pause bevor, denn jetzt traten MINDFLAIR auf den Plan, und die interessierten uns wie ein leerer Koffer. Kurz mal in den Kram hineingelauscht und spontan beschlossen, für die nächste halbe Stunde taub zu sein. Jaja, Intoleranz ist schon was Schönes.

K: Warum eine bekannte Band wie AGATHOCLES ausgerechnet in diesem Hasenstall namens kleines Exil spielen sollte, war mir irgendwie von Anfang an schleierhaft. Da wir ja MINDFLAIR ohnehin ausfallen ließen, hatten wir genügend Zeit, uns rechtzeitig einzufinden, aber diese Idee hatten natürlich auch etliche andere gehabt. So war der Andrang schon vor dem Gig sehr groß. Wir fanden dann nur im hinteren Ende einen Platz, wo ich kurzerhand irgendwo hochkletterte, um überhaupt irgendwas sehen zu können. Ausgerechnet jetzt gab es auch noch ordentliche Verzögerungen. Bisher war eigentlich alles fast exakt nach Zeitplan gelaufen und es hatte noch keine Verspätung gegeben. Bei AGATHOCLES war nun aber richtig der Wurm drin. Es gab enorme Probleme – erst musste ein neues Gitarrenkabel besorgt werden, dann streikte auch noch der Bass, und eine Saite musste gewechselt werden, scherzhaft meinten die Jungs, man könne ja auch gleich den Bassisten mit austauschen… Jedenfalls wurde die Geduld hier auf eine harte Probe gestellt. Aber mit einer halben Stunde Verspätung ging es dann endlich los!

15 Agathocles
R: Aber hallo, und sowas von! Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich AGATHOCLES, die es mittlerweile schon fast auf 30 Jahre bringen, noch nie vorher gesehen habe. Also war es nun an der Zeit, endlich diese Lücke zu schließen. Um die Warterei wieder wett zu machen, blieb den Belgiern im Grunde nichts anderes übrig, als aus ihrem Repertoire von geschätzten zwei Millionen verfügbaren Songs genau die Grindcore-Songs rauszusuchen, die essentiell für dieses Genre sind. AGATHOCLES haben ein wirklich hammergeiles Set geboten und das Publikum bestens für die Verzögerung entschädigt. Cool war natürlich, dass auch einer meiner Favoritensongs “Not a Big” gespielt wurde. Man merkte den Jungs an, dass sie verdammt gut aufgelegt waren, und wenn mich nicht alles täuscht, haben AGATHOCLES sogar einen Tick länger als 30 Minuten gespielt.

Da dieses Jahr Frankreich auf der Grindcore-Speisekarte ganz oben stand, kam als zweite Franzosenband INHUMATE. Nachdem die Kollegen voriges Jahr leider enorme Soundprobleme hatten, lud man sie fairer Weise dieses Jahr noch mal ein, und ta-taaa, dieses Mal hat alles gepasst. INHUMATE sind für mich auf Platte einfach echt killer, live hab ich mit den Jungs so ein wenig meine Probleme, aber dieses Mal hat mir ihr Auftritt echt sehr, sehr gut gefallen. Bin immer wieder erstaunt, wie Sänger Christophe seine ungestüme Art und Weise über Jahre hinweg ohne Herzinfarkt übersteht. INHUMATE boten ein sehr harsches, brachiales Grindcore-Gewitter mit teils ordentlichen Brutal Death Metal Einflüssen im Gepäck, was mir ehrlich gesagt nicht so mundet, aber im Großen und Ganzen haben mich INHUMATE echt überrascht. Bei dieser Gelegenheit kann ich jedem Grindcore-Fan INHUMATEs letztes Album “Expulsed” sehr empfehlen.

K: Mit Franzosen ging es dann auch gleich weiter, denn als nächstes standen die Hektiker von CHIENS auf dem Plan. Deren Grind war mir als besonders schnell und stressig in Erinnerung, und genau so kam das dann auch live rüber. Diesmal hatte man eher Chancen, etwas näher an die Bühne ranzukommen und zumindest ein bisschen was zu sehen. Und der kleine, total zutätowierte Sänger ging hier ab wie Drecksau und sprühte geradezu vor Wut. Mein Fall war die Mucke nicht unbedingt, aber es war auf jeden Fall deutlich zu sehen, dass die Band mit Überzeugung und Enthusiasmus am Werk ist.
R: CHIENS kenne ich von ihrer 10-Inch “Vultures Are Our Future“, und die hatte es schon dermaßen intensiv und grob in sich, dass ich sehr neugierig war, wie man dieses Chaos live rüberbringen will. CHIENS waren brachial, aggressiv und höllisch barbarisch, und es gab kaum ein paar Sekunden, wo es mal etwas gezügelter zuging. Geboten wurde moderner Highspeed Grindcore/Powerviolence mit einigen aggressiven HC Roots und ein paar noisigen Einlagen, so dass die Mucke definitiv nicht für wildes Pogen gemacht war, weil man bei dieser Geschwindigkeit ohnehin nicht hinterherkommt. Okay, mein Ding war es jetzt auch nicht wirklich, aber dennoch haben wir beide das Set von CHIENS fast komplett angeschaut, und wenn einen die ersten leichten Müdigkeitsattacken befallen hatten, haben sie CHIENS im Nu und mit einem hämischen Grinsen weggeschrubbt.

02 Innenhof 690x

Die näxten Kandidaten waren die Hamburger YACÖPSAE, und die überraschten uns beide auf unterschiedliche Weise. Aber auf der anderen Seite füllten sie auch den großen Saal wie keine andere Band an diesem Abend. Die Hamburger Jungs gibt es nun auch schon über 20 Jahre, aber ich kenne nicht wirklich viel von ihnen. Ihr Stil aus schnellem Hardcore, teils sogar zähen, langsamen Parts und diesem für mich wirklich furchtbaren Krächzgesang, der mich (entschuldigt meinen Vergleich) definitiv an eine Black Metal Band erinnert, sagt mir überhaupt nicht zu. Aber dennoch probierte ich es mit den Nordlichtern, und ich muss ehrlich sagen, das war tatsächlich die einzige Band, bei der meine Lauschlappen richtig bluteten. Für mich war der Gesang einfach nur anstrengend, und da ich an dem Abend ohnehin schon mit Schädelbrummen geplagt war, diente dies nicht dazu, dass es besser wurde. Aber das sah wohl der Rest vom Publikum komplett anders. Ich für meinen Teil hatte mir spätestens nach dem dritten Song gedacht, gefällt Katja eh nicht, können wir uns also gleich mal nach draußen verpissen. Aber scheiße war’s, denn es kam mal wieder anders.
K: Mir waren YACÖPSAE eigentlich nur vom Namen her bekannt, aber im Gegensatz zu Rayk war ich echt positiv überrascht von ihrem Krach. Sicher, leicht zugänglich ist was anderes. Aber dafür fand ich die Hamburger wirklich originell, da sie einen eigenen und wirklich eigenwilligen Sound haben. Hier klang mal nicht ein Song wie der andere, sondern es wurde tatsächlich so einiges an Variation geboten. Gerade der Wechsel zwischen ultrazäh kriechenden Lärmattacken, die sich geradezu quälend durch die Ohren frästen, und dann wieder plötzlichen rasanten Geschwindigkeitsausbrüchen war wirklich mal interessant. Und den Vergleich zum Black Metal finde ich eigentlich auch nicht sooo weit hergeholt. Ich raffte mich also noch mal auf, mich weiter nach vorne durchzukämpfen, um etwas mehr mitzubekommen. Eigentlich hatte ich gehofft, noch das ein oder andere Foto zu schießen, aber da war absolut nichts zu machen! Die Leute waren total außer Rand und Band, und vor der Bühne war absolut die Hölle losgebrochen. Hier wurden Stagediver wie am Fließband durchgereicht, und man musste öfters Bedenken haben, dass irgendjemand mit seinen Füßen oder seinem Schädel die Beleuchtung von der Decke reißt. Ein ruhiges Plätzchen zum Fotografieren war da nicht zu finden, außer vielleicht wenn man zwei Meter groß ist und einfach mal souverän alles an sich abprallen lassen kann. Gelohnt hat sich der Weg nach vorn aber trotzdem, denn hier bekam man erst so richtig mit, was für eine unbändige Energie YACÖPSAE entfachten. Auch wenn mir hier nicht alles zusagte, auf jeden Fall eine eigenwillige und beeindruckende Band.

16 Punished EarthR: Ich für meinen Teil habe mich derweil lieber mit dem EASTWOOD-Sänger unterhalten und wartete gespannt darauf, dass die Belgier PUNISHED EARTH loslegten. Ich denke, PUNISHED EARTH waren neben MASSIVE ASSAULT die zweite Band, die genretechnisch etwas aus der Reihe fiel. Denn gerade PUNISHED EARTH haben neben Grindcore auch brutale Death Metal Einflüsse. Ich denke, das war auch der Grund, warum es bei PUNISHED EARTH mengenmäßig relativ gemäßigt zuging im Publikum. Denn es war jetzt endlich mal Platz, normal im kleinen Exil zu stehen, ohne dass man ständig ausweichen musste. Ich fand PUNISHED EARTH live richtig geil. Ich gehe mal davon aus, dass diese Belgier wahrscheinlich mit die Ältesten waren, aber dennoch zeigten uns diese Herren, dass sie noch nicht zum alten rostenden Eisen gehören, ganz im Gegenteil. Mir gefiel diese krude Mischung aus Death Metal und Grindcore echt sehr gut. Sänger Doc war zudem ein sehr cooler Fronter, der auch immer wieder mal einen coolen Spruch dazwischen einlegte, und auch so merkte man den Belgiern an, dass sie ein sehr eingespieltes Team sind. Cool war, dass Grunzbarde Doc sich immer gleich in vier Sprachen beim Publikum bedankte, sprich, in Englisch, Deutsch, Französisch und in Holländisch. Fakt ist, dass man diese Band live auf jeden Fall mal gesehen haben sollte. Und auch auf dem runden Silberfisch namens CD können die Jungs echt beeindrucken, obwohl da für meine Verhältnisse etwas zu viel die Brutal Death Metal Schiene gefahren wird. Coole Band, die mich echt beeindrucken konnte!

K: Bei mir machte sich langsam eine derartige Müdigkeit breit, dass mir beinahe die Augen zufielen. Ich war schon extra von Bier auf Gin Tonic umgestiegen, aber das nützte leider überhaupt nichts. Also rang ich mich dazu durch, mir doch einen Becher von dieser Zuckerplörre namens Cola zu besorgen, um nicht beim Warten auf die nächste Band einzupennen. Wirklich fit machte das auch nicht, aber immerhin fühlten sich die Augenlider jetzt nicht mehr wie Blei an.

Grind Here Right Now - FlyerR: Als vorletzte Band am Abend wurden dann THE AFTERNOON GENTLEMEN auf die Bühne gerufen, die selbst ich als recht hektisch in Erinnerung habe, aber dennoch mal ein Ohr riskieren wollte. Allerdings hatte ich nicht so den direkten Drang danach, mir deren chaotisches Gerumpel von nahem ansehen zu müssen. So schaute ich mir den Kram von unserer Ecke in der Nähe vom Tresen an, von der wir einen recht guten Blick hatten. Aber nachdem sich die Verzögerungen nach hinten aufstauten, spielten nun THE AFTERNOON GENTLEMEN mittlerweile eine ganze Stunde später. Schon auf Platte fand ich sie enorm anstrengend, und auch der Gesang war überhaupt nicht meine Gerstensaftkaltschale. Aber was die Jungs dann live darboten, enttäuschte mich persönlich schon ein wenig. Klar, chaotisch, wüst und extrem schnell ging es auch bei diesen Engländern ab. Aber den Gesang, eine Mischung aus epileptischen Anfällen und einem Gorilla, dem man das Fressen wegnimmt, fand ich schon ziemlich abartig. Der Mix aus wütendem HC, Crust mit gelegentlichen Grindcore Einflüssen traf jedenfalls zu keiner Sekunde meinen Geschmack. Da sowohl mein Schädel als auch meine Müdigkeit nicht besser wurden und auch Katja diesem Mix an außergewöhnlichen Deluxe-Klängen nichts abgewinnen konnte, beschlossen wir spontan, uns auf den Weg ins Hotel, sprich in die Waagerechte zu begeben. Jaja, wie uncool! Aber was bleibt einem anderes übrig, wenn man nahezu im Stehen einpennt?

Dadurch, dass wir vorzeitig abhauten, haben wir auch nicht mitbekommen, wie der IRON BASTARDS Auftritt im Publikum angekommen ist. IRON BASTARDS kommen ebenfalls aus Froonkreich, Froonkreich und sind eine Motörhead-inspirierte Band.
K: Eigentlich hatten wir schon vorgehabt, bei den ollen Rockern mal reinzuschauen, da das sicherlich ein ganz lässiger Abschluss des Abends geworden wäre. Aber zu vorgerückter Stunde hatten wir dann doch keinen Bock mehr, noch länger abzuwarten.

R: Für uns war es wieder ein sehr gelungenes Festival: coole Leute, die eine Menge Spaß haben und nicht auf Stress aus sind, 16 Bands, megavolle Hütte, geile Geburtstagsparty, was will man mehr? Auch dieses Mal geht ein großes Dankeschön an die beiden Veranstalter Daniel und Mario: Ihr wisst einfach, wie man eine Party jenseits vom Mainstream und dem ganzen Business Scheiß auf die Beine stellt! Auf ein Neues. Beers & Cheers!

Rayk Und Katja

Katja & Rayk