Putrevore – Macabre Kingdom

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Putrevore - Macabre Kingdom

Rogga Johansson scheint zu viel Freizeit zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären, wie er seine tausend Bands Revolting, Paganizer, Ribspreader, Bone Gnawer, The Grotesquery und wie sie alle heißen, unter einen Hut bringen kann. Doch ich muss auch gleichermaßen zugeben: So recht verstehe ich den Hype um den Tausendsasser nicht. Klar, er produziert viel Output, aber darunter befindet sich auch viel Füllmaterial, wo sich der omnipräsente Gitarrist selber wiederholt. Teilweise nur innerhalb eines Albums einer Band, teilweise hört man aber auch übergreifend die Handschrift des Musikers heraus.

Bei PUTREVORE mag vor allen Dingen die Herangehensweise an die Songs Johanssons deutliche Prägung enthalten. Dennoch unterscheidet sich “Macabre Kingdom” etwas von seinen anderen Projekten. Vielleicht liegt es auch an der Färbung durch Dave Rotten von Avulsed, der hier seine grottentiefen Vocals beisteuert. Auf jeden Fall avanciert PUTREVORE mit ihrem zweiten Album direkt zu meinem Lieblingsprojekt vom ollen Rogga, nachdem mich die letzte Revolting etwas gelangweilt hat.

Natürlich sind die neun Lieder auf “Macabre Kingdom” ziemlich reduziert. In den Songaufbauten erkennt man deutlich die bereits erwähnte Denkweise Johanssons. Doch stellt hier gerade dieses stumpfe und ultraminimalistische Arbeit die Stärke von PUTREVORE dar. Irgendwo zwischen Rottrevore, frühen Incantation und vielleicht ein wenig Abhorrence (Fin) / Funebre zu Demozeiten, ist dieses ungeschönte, dreckige Geschepper ein dicker Mittelfinger an alle Trendwellenreiter, die den hippen Oldschool-Death Metal mit sauberen Produktionen und eingängien Melodien garnieren. Fuck You! Die Gitarren sind matschig, der Bass knurrt verzerrt im Hintergrund, die Becken scheppern unschön aus dem Klangbrei heraus. Es ist Low-Fi in Reinkultur.

Macabre Kingdom” ist downtuned and morbid, in seinen düsteren Harmonien nahe am finnischen Death Metal. Gelegentlich mit Keyboards und richtig schwer doomigen Momenten garniert, ist die Grundstimmung schön finster. Die Brutalität bleibt aber – dank der eingekochten Riffs – nie auf der Strecke. Im Gegenteil, “Tattooed Skin Map” oder “The Morbid Mass Of Swaming Entities” haben sogar dermaßen derbe und brachiale Midtempo-Passagen, dass heutige Devourment wie Weichspüler aussehen. Kein Slam, kein Beatdown, nur rohe Death Metal Gewalt!

Für Feingeister sind PUTREVORE also nichts. Und auch für den Dauerkonsum der 37 Minuten, ist “Macabre Kingdom” sicher etwas zu monoton. Aber als Zwischenmahlzeit, hat die Scheibe auf jeden Fall angenehm plumpen Unterhaltungsfaktor. Und mit “Awaiting Awakening Again“, “Universal Devourer” und “Tattooed Skin Map“, sind sogar richtig kleine Hits auf dem Album. Mein nächstes Schnitzel wird nicht mit dem Hammer, sondern mit diesem Album breit gekloppt!

Infos:
Xtreem Music – 2012
CD/LP – 9 Lieder / 36:44 Min.

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