100000 Tonnen Kruppstahl – Bionic Testmensch

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100000 Tonnen Kruppstahl - Bionic Testmensch
Der „Bionic Testmensch“ ist etwas, das nur eine Mutter lieben kann. Es ist ein hässlicher Brocken, unförmig und abseits jedwedes Ästhetikempfindens. 100000 TONNEN KRUPPSTAHL ziehen gnadenlos ihr Ding durch, scheißen auf Konventionen und hauen Genreschubladen auseinander, als ob sie aus der Presspappe bestehen, die Ikea für ihre Lack-Serie verwendet.

Klassischen Grindcore hört man eigentlich nicht auf „Bionic Testmensch„. Doch dürften gerade die (echten) Grinder und (Crust-)Punks noch am meisten mit dem Album anfangen können. Wenn sie sich nicht sogar direkt mit der angepissten Haltung der Band identifizieren. Denn 100000 TONNEN KRUPPSTAHL sind mehr Attitüde als eigentliche Musik. Wenn man die Scheibe als dickes „Fuck Off“ an die Gesellschaft betrachtet, als Hass auf alles und jeden, dann machen die 13 Songs, respektive 31 Minuten Spielzeit durchaus Sinn.

Doch zunächst muss man verstehen, dass die beiden Berliner hinter der Band mit den vielen Nullen im Namen ihre musikalischen Bilder mit dem Vorschlaghammer malen. „Bionic Testmensch“ ist in erster Linie stumpf. Die Riffs sind stumpf, die Refrains sind stumpf, die Songstrukturen sind stumpf. Doch halt, gerade letzteres relativiert sich schnell! Immer wieder zeigen sich verschrobene Strukturen und Beats, die lediglich sehr rudimentär präsentiert werden, aber dennoch ein gewisses System erkennen lassen. Wenn man diese Vorgehensweise verstanden hat, wundert auch „Germanistan“ weniger, wo 100000 TONNEN KRUPPSTAHL über neun Minuten mal das stupide Gekloppe verlassen und in fast schon psychedelische (Stoner-)Doom-Sphären entschwinden, träumen und aus ihrem Trümmerbrüchen auch neue Traumschlösser bauen.

Immer wieder finden sich Anleihen aus den psychedelischen Klangwelten, zähem Doom und Sludge. „Bionic Testmensch“ ist weniger eindimensional, sondern wirklich nur reduziert bis zum Umfallen. Am herausragendsten ist an dieser Stelle wohl das sludgy „Kill Your Kids And Die„, das im Wechsel zwischen Klargesang und fiesem Geplärre eine herrlich monotone, mürbende Atmosphäre erschafft. Doch leider ist dieser Tripp in die Opium-Höhle ein einmaliges Schauspiel zwischen sonst eher grindigen Abrissbirnen.

Dazu stellt der Gesang und die Texte eine verdammt hohe Einstiegshürde in die Musik. Die Texte sind mindestens genau so stumpf wie die Musik, wiederholen einige Bilder bis zum Erbrechen. Ob jedoch das negativ belastete Attribut „plakativ“ passt, weiß ich nicht. In der Wortmalerei leiden die Texte auf jeden Fall an ähnlicher Peinlichkeit, wie dutzende andere deutschsprachige Bands. Es kann halt nicht jeder Who’s My Saviour, Zodiac (die guten, aus Bremen) oder Jungbluth heißen.

Ähnlichen Minimalismus wie in Musik und Text, pflegen 100000 TONNEN KRUPPSTAHL auch in der visuellen Darstellung von „Bionic Testmensch„. Ein schmales Booklet mit gerade vier Seiten enthält gerade die Texte und minimale Meta-Infos. Immerhin geht daraus hervor, dass die Band alleine für Musik, Texte und Layout verantwortlich war. Quasi D-I-Y. Nur, dass Unundeux, das Label der toten Japanischen Kampfhörspiele, für die Produktion, und Cargo für den Vertrieb des Albums hinzukommen. Für mich ändert das aber nichts an der räudigen Attitüde, die primär 100000 TONNEN KRUPPSTAHL ausmacht. Die ist immer noch dreckigster Underground.

Natürlich macht das alles „Bionic Testmensch“ nicht sonderlich massenkompatibel. Man muss schon auf ungeschönten Krach stehen, am besten Bands wie Sons Of Tarantula und Breed Of Bacchus zumindest musikalisch mögen. Wer dann noch mit gesanglichen Eskapaden wie bei Unlearned oder Mindflair kein Problem hat, kommt auch schnell in dieses Album.

Infos:
Unundeux – 2013
CD – 13 Lieder / 32:27 Min.

http://www.100000tonnenkruppstahl.de/
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http://www.unundeux.de/