Wound – Confess To Filth – Demo MMXII

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In Zeiten von Facebook, Bandcamp und MP3 scheint die Vermarktung einer jungen Band simpel. Doch schnell verlieren sich die ambitionierten Musiker in einer sehr breiten und undurchsichtigen Masse. Wenn jeder seine Musik nur noch digital oder als hässlich verpackte CDr anbietet, wo bleibt da die haptische Komponente, der optische Aspekt, die über die Musik hinaus ein Erlebnis bietet? Dem Hörer in Erinnerung bleibt? Die Rückbesinnung auf alte Medien bietet aktuell vielen jungen Kapellen die Möglichkeit, sich wieder von der digitalen Musikwelt abzuheben – zumindest solange, bis der Retro-Trend seinen Gipfel erreicht hat und wiederum eine Gegenbewegung auslöst.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben WOUND aus Wiesbanden aber erst mal alles richtig gemacht. Zusammen mit Weed Hunter Records veröffentlichten sie ihr Demo auf der klassischen Kassette. Richtig schön aufgemacht, Inlay, Text-Blatt und Tape selber professionell bedruckt. Als Gimmick liegt ein Sticker dem auf 152 Einheiten limitierten Gesamtpaket bei und hinterlässt damit direkt einen vollständigen, ganzheitlichen Eindruck. Ich bin positiv angetan, was dem Fan hier für gerade mal vier Euro geboten wird. Man erinnere sich nur an Bands, die für eine gebrannte Demo-CD mit einfarbig ausgedrucktem Cover und drei Liedern schon einen Fünfer haben wollen. Hier bekommt man zur wertigen Aufmachung sechs Lieder in gut 22 Minuten. Alle Songs sowohl auf der A- als auch B-Seite, ein Umdrehen mittendrin entfällt. Value for money nenne ich das!

Qualitativ steht die Musik von WOUND ihrer Verpackung in nichts nach. „Confess To Filth“ ist ein kraftvolles und abwechslungsreiches Demo. Der Hauptsound besteht aus düsterem Death Metal. Groove und manches Dicke-Eier-Riff wird dem Thrash, gelegentliche Momente der Kälte dem Black Metal entliehen. Die dreckige Attitüde kommt deutlich aus dem Crust.

Im Verlauf des Demos entwickeln sich die Songs sehr angenehm. Der Opener und Titeltrack ist recht geradliniger Death/Thrash, überzeugt aber mit intelligenten Leads. Er bleibt direkt in Erinnerung und bereitet auf das kommende vor. „Among You“ und „The Unresolved Obscurity“ legen – zumindest anfänglich – viel Wert auf dicken Groove. Mit „Pandemonic“ wird in die zweite Hälfte des Tapes übergeleitet, ein netter Klangteppich mit schöner Mehrstimmigkeit zeigt etwas mehr Fingerspitzengefühl von WOUND, die nicht nur aus der Hüfte schießen können. Der Kontrast mit dem straighten Crust-Riff und dem rockigen Beat rundet den Song angenehm ab. Die schwarzmetallischen Melodien und leicht melancholische Atmosphäre hebt „Forever Denial“ vom bisherigen Material ab. Gleichzeitig ist es aber auch der perfekte Übergang zur (frühen) Dark Tranquillity-Hommage „Moloch„. Was ein cooler und eingängiger Song.

Aufgenommen im Haunted Studio von Bassist Schulz, klingt das Tape verdammt gut. Die Instrumente sind alle sehr gut differenziert und mir gefällt, wie der Bass ausgewogen zwischen markantem Knurren und ordentlich Wumms herausgearbeitet wurde. Perfekt in das instrumentale Bild wurde der ziemlich angefressene Gesang gemischt. Ein hervorragendes Ergebnis, wo sich noch manche große Labelband eine Scheibe abschneiden kann.

Mit „Confess To Filth“ bekennen sich WOUND höchstens zum akustischen Dreck in ihren Crust-Einflüssen. Ansonsten zeigen sie aber in allen Belangen Sinn für Qualität. Sowohl die Verpackung stimmt, wie auch die abwechslungsreichen Songs, die abseits von Trends und langweilig ausgelutschten Schemata arbeiten. Solange das Demo noch bei Weed Hunter Records verfügbar ist, kann ich nur empfehlen: Trinkt ein Bier weniger und kauft das Teil. Eine Perle unter den Demos!
Wenn ich Metal-Archives.com glauben darf, bietet die Band „Confess To Filth“ auch offiziell als Download an. Zumindest liegt das Zip-Archiv auf dem Server der Haunted Studios.

Infos:
Weed Hunter Records – 06.06.2012
Demo-Tape – 6 Lieder / 22:15 Min.

http://www.myspace.com/wound-deathmetal
https://www.facebook.com/wound.deathmetal
http://weed-hunter-records.blogspot.de/